„Unsere Branche hat seit fünf Jahren kein Wachstum.“ – so Bavaria-CEO Christian Franckenstein im Gespräch mit Banijay Germany CEO Marcus Wolter
Wie steht es um die Zukunft der deutschen Medienbranche? Darüber diskutieren Marcus Wolter, CEO von Banijay Germany, und Dr. Christian Franckenstein, CEO der Bavaria Film, in der neuen Folge des Banijay-Podcasts WOLTER TALKS. Als CEOs zweier großer Entertainment-Unternehmen stehen sie in vielen Bereichen im Wettbewerb – und teilen zugleich das Interesse an einem starken Medienstandort Deutschland. Beim Blick auf die Strukturen des Marktes vertreten sie jedoch nicht immer dieselben Positionen.
Die beiden Medienmanager diskutieren offen die wirtschaftliche Lage der Branche, die Rolle öffentlich-rechtlicher Beteiligungen, die Zukunft des dualen Rundfunksystems und die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Produktionsunternehmen. Mit Blick auf die wirtschaftliche Situation der Branche findet Franckenstein deutliche Worte: „Was mich schon umtreibt, ist, dass wir in dieser Branche, in Deutschland zumindest, über viele Jahre kein richtiges Wachstum haben.“ Die Folgen seien für viele Unternehmen spürbar: „Wir brauchen motivierte Mitarbeitende. Um diese Motivation aufrechtzuhalten, müssen wir sie angemessen vergüten. Und dafür brauchen wir Wachstum.“ Wolter sieht die Verantwortung dabei nicht allein bei den Marktbedingungen: „Die große Aufgabe ist es, uns immer wieder neu zu erfinden.“ Wachstum entstehe vor allem dort, wo neue Zielgruppen, Plattformen und Geschäftsmodelle erschlossen werden.
Kontrovers wird es bei der Diskussion über öffentlich-rechtliche Beteiligungen und die Zukunft des dualen Systems. Wolter fordert mehr Transparenz über die Marktstrukturen: "Ist es in diesen Zeiten richtig, dass drei Tochterfirmen von ARD und ZDF rund 800 Mio. Euro Umsatz erzielen, von denen mehr als zwei Drittel aus Aufträgen ihrer öffentlich-rechtlichen Eigentümer stammen?" Zudem stellt Wolter die Frage, ob die bestehenden Strukturen öffentlich-rechtlicher Beteiligungen noch zeitgemäß sind: „Es gibt aktuell rund 57 Tochterfirmen der öffentlich-rechtlichen Sender. Das war früher sinnvoll und notwendig, heute ist es dringend zu überdenken.“
Franckenstein sieht keine Bevorzugung durch seine Gesellschafter und verweist auf geordnete Schrumpfung der öffentlich-rechtlichen Töchter: „Meine Erfahrung ist: Wir werden in keinster Weise bevorteilt.“
Auch die Transformation des Produktionsmarktes beschäftigt beide CEOs. Die zunehmende Fragmentierung des Geschäfts beschreibt Franckenstein mit einem markanten Bild: „Wir sehen auf der anderen Seite, dass das Neugeschäft sich radikal atomisiert. Es wird kleinteiliger, es wird vielfältiger.“ Wolter sieht darin einen klaren Auftrag für die Branche: „Wir müssen viel weniger von den klassischen Verbreitungswegen ausgehen als vielmehr davon, wo eigentlich unsere Kunde, die Zuschauerinnen und Zuschauer, sind.“
So unterschiedlich die Positionen in einzelnen Fragen auch sind: Beide eint das Interesse an einem starken und vielfältigen Medienstandort Deutschland. Franckenstein formuliert es so: „Wir wollen noch eine Vielfalt im Markt haben, wir wollen eine Diversität im Markt haben.“ Für Marcus Wolter steht dabei vor allem die gemeinsame Verantwortung der Branche im Vordergrund: „Wir sind nicht die Gegner unserer Kunden, wir sind Partner. Und nur wenn diese Partner gemeinsam Erfolge erzielen, werden wir auch wieder wachsen.“
Die neue Folge WOLTER TALKS mit Dr. Christian Franckenstein ist ab sofort HIER und auf allen gängigen Podcast-Plattformen verfügbar.
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